
Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Es geht ein Raunen durch den Raum. Ein Punk mit Hund hat soeben den Audimax betreten und verstößt damit gegen die selbstauferlegten Richtlinien der Audimaxbesetzung. Hunde sind verboten, sowie Zwischenrufe. Auch die Reihenfolge der Redner ist genau festgelegt und so entspinnt sich ein viertelstündiger Dialog mit anschließender Abstimmung darüber, ob Punk und Hund bleiben dürfen.
Es sind Szenen wie diese, die einige Zuhörer an diesem Abend zermürben. Rund 800 Studenten und sonstige Sympathisanten haben sich zum täglichen Plenum in der LMU eingefunden. Doch anstatt über Inhalte oder politische Richtungen zu debattieren, bleibt die Diskussion in organisatorischen und formalen Dingen stecken. Es wird viel geredet - über die Arbeit der einzelnen Arbeitsgruppen oder wie man sich gegenüber Professoren und Lehrpersonal verhält. Doch wofür kämpft man überhaupt? Diese Frage wird erst um halb Zwölf in Angriff genommen. Genau viereinhalb Stunden nach Diskussionsbeginn und nachdem rund die Hälfte der Zuhörer frustriert den Raum verlassen hat.
Mehr politische Meinungen als im Bundestag

Dabei sind die Beiträge, die die einzelnen Studenten liefern überaus spannend. So wird beispielsweise nicht nur über die Abschaffung der Studiengebühren debattiert, sondern im Gegenzug die Einführung eines Studierendengehalts. Finanzieren solle dies der Staat, der schließlich auch genügend Geld für die Banken übrig hat. Dieser Ansicht sind zwar viele Streikende, dennoch ist ihre sonstige politische Weltanschauung noch verschiedener als die der Parteien im Bundestag. Und so stoßen sich einige nicht nur an den antikapitalistischen Transparenten, die im Audimax aufgehängt sind, sondern auch an grundlegender Kritik gegenüber dem Neoliberalismus.
Einig sind sich die Studenten in den drei grundlegenden Zielen:
1. Mehr Geld für Bildung
2. Mehr Mitspracherecht in Sachen Univerwaltung und
3. Mehr Freiheiten im Bachelor- und Mastersystem
Doch das "Mehr" scheint ein grundsätzliches Problem des Studentenprotests zu sein. Einige wollen die Geschlechterdebatte neu anheizen, andere die Benachteiligung von Behinderten oder Ausländern in ein Positionspapier aufnehmen. Statt weniger klarer Forderungen dominiert eine Vielfalt, die sich wohl nur schwer den Medien, Politikern oder dem Rest der Bevölkerung vermitteln lässt.
Trotz hartem Einsatz bleibt der Erfolg offen
Eigentlich schade, denn der Einsatz, den viele Studenten bringen, ist hoch. Neben der Arbeitsbelastung durch Lehrveranstaltungen, investieren viele fast ihre gesamte Freizeit in den Streik. Dazu kommt, dass viele im Audimax übernachten und den harten Hörsaalboden in Kauf nehmen, um somit den Raum besetzt zu halten. Wie lange das noch so weiter geht, hängt sicherlich nicht nur von der Politik oder der Universitätsleitung ab, sondern auch von den Studenten selbst. Und gipfelt in der Frage, ob sich trotz aller Basisdemokratie durchsetzungsfähige Forderungen erarbeiten lassen.











