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Film // Inglourious Basterds Bis das Blut kocht

Der Tarantino geht wieder um. Er zitiert, klaut, panscht und hat am Ende einen bluttriefenden, wahnwitzigen Kinococktail, der einmal getrunken ins Kino-Delirium geleitet.

Inglorious Basterds

Auftakt in Frankreich: Bei dem französischen Bauern Perrier werden versteckte Juden vermutet. Deshalb steht eines Tages der Judenjäger Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) auf der Matte und stattet Perrier einen Besuch ab. Die Stimmung ist eiskalt und der sardonische Landa lässt einem bei jedem Wort den Atem stocken.

Weiter zu Ltd. Aldo Raine (Brad Pitt). Der hat seine verwegene Truppe für ein Höllenkommando im Feindgebiet beieinander: die Basterds stehen Blut witternd bereit und die Mission beginnt.

Von Judenjägern, Basterds und Starlets

Inglorious Basterds

Diane Kruger als Bridget von Hammersmark, Agentin im Dienste der Briten.

Im dritten Akt verliebt sich der Kinobeau Fredrick Zoller (Daniel Brühl) in die Kinobetreiberin Shosanna (Mélanie Laurent). Zoller ist der Held des Films-im-Film "Nation's Pride" und Shosanna ist Jüdin – sie wartet auf den Moment ihrer Rache an der faschistischen Diktatur. Kapitel vier spinnt die diversen Fäden stärker zusammen.

Hier kommen zwei der Basterds mit deutschen Wurzeln (Til Schweiger und Gedeon Burkhard) zu einer Filmpremiere in Shosannas Kino. Ihr Auftrag ist das deutsche Starlet Bridget von Hammersmark (Diane Kruger), die als Agentin im Dienst der Briten steht, um Unterstützung zu bitten. Kapitel fünf wird nicht verraten, nur soviel: Tarantino lässt seinem Irrsinn freien Lauf.

Ein waschechter Tarantino

Inglorious Basterds

Tarantino hat einen grünen Daumen für Zelluloid-Zweitverwertung und macht sich diesmal an den Exploitationkanon zum Zweiten Weltkrieg. Doch ist er nicht nur ein brillanter Adept- und Zitiermeister, er ist auch ein verdammt guter Drehbuchautor und Regisseur. "Inglourious Basterds" ist nicht einfach ein weiterer Mainstreamwurf für den ironisch, wissenden Cineasten, sondern vor allem ein Film, der seine Darsteller feiert und der sich auf die Nebensächlichkeiten einlässt, die sonst unter den Tisch fallen. Der Großteil des Films besteht aus Dialogen, dieser typischen Tarantino-Rhetorik, die mit satten Onelinern gespickt keine Zeile im Äther versickern lässt.

Perfides Netz einer perversen Filmwelt

Inglorious Basterds

Christoph Waltz glänzt als Hans Landa.

Transportiert werden die Dialoge von einem Heer hervorragender Darsteller, von denen vor allem Christoph Waltz als Judenjäger Landa einen Auftritt abliefert, wie man ihn nur alle paar Jahre zu sehen bekommt. Im Endeffekt ist Tarantino mit "Inglourious Basterds" einen weiteren Schritt zur bewussten Anti-Dramaturgie gegangen und verliert sich beispielsweise schon mal ein paar Minuten in einem Saufspielchen unter Soldaten, das so nichts zur Handlung beiträgt, aber verdammt viel Spass bereitet.

Solche Situationen dienen Tarantinos Lieblingsbeschäftigung, dienen der Entwicklung seiner Figuren und dem Einspinnen der Zuschauer in das perfide Netz einer abstrakten und perversen Filmwelt. Auch bei den "Inglourious Basterds" hat er es wieder einmal geschafft. Wer reingeht wird zappeln bis Tarantula-Tarantino sagt: Das Spiel ist aus.

Das müsst ihr sehen: Tarantinos Vorbilder

1. "Das dreckige Dutzend" – Robert Aldrichs Actionklassiker trumpft mit Tempo, Witz und einem Knüppeldicken Finale. Mit dabei ein Heer an Stars.

2. "Ein Haufen verwegener Hunde" – Die Italoversion zu Aldrichs Vorbild. Exploitationtrash barster Münze. Für Fans und Tarantino Exegeten ein Muss.

3. "Agenten sterben einsam" – Ein Nazi-Schloss in den Alpen, ein Gefangener US-General mit wichtigen Informationen, ein verwegenes Rettungskommando.